ein pulverriedl - zwei geschichten

 

Vorbereitung der Ausgrabungsarbeiten für den Keller des Hauses Gusenbauer in Hagenberg/Mks 1969. Gesprengt wurde Granit, abgedeckt mit Reisig und alten Gummireifen. Da gabs einige unspektakuläre Sprengungen, und andere... wie das Bild zeigt.

Die Geburtsstunden des Pulver-Riedls (=Hügel)
Fotograph Anton Gusenbauer- Bauherr;-)

 

Teil 1)  PULVERRIEDL MUSI

Hagenberg 1969: Nachbarn werden angeleitet, immer wieder Fenster ihrer Häuser zu öffnen, um keinen Schaden an den folgenden Sprengungen zu nehmen. Der Granithügel im Süden Hagenberg/M ist kein Hindernis, hier ein weiteres Haus zu bauen.

Der Pulverriedl ist geboren!

 

Ein Montagabend im Hause Gusenbauer in den Achtziger-Jahren:

Mutter verabschiedet sich zur wöchentlichen Chorprobe, der Vater bringt uns Kinder zu Bett, lässt die Tür „einen Spalt breit“ offen, damit wir seinem Zitherspiel noch lauschen können und musikbegleitet einschlafen.

Auch tagsüber hören wir immer wieder Klänge von Flöten, Gitarren und Steirischer Harmonika, später Hackbrettübungen und die Saitenmusi unserer Eltern. 

Nein! - Nicht alles war so romantisch, aber diese Erinnerungen prägen uns eben noch bis heute.Natürlich durften auch wir selbst musizieren: Zuhause übten wir 4 Kinder uns im Bockflötenspiel und probierten auch immer wieder verschiedene Besetzungskombinationen mit den Instrumenten, die wir in der Musikschule erlernten. 

Kleinere Auftritte im familiären Kreis, in der Musikschule und in der Nachbarschaft beim Sonnwendfeuer am „Pulverriedl“ motivierten und forderten uns immer wieder heraus, auch wirklich zu üben. 

Zeitgleich im Hause Detzlhofer (Braunau): Auch hier wird eifrig musiziert, geübt und geprobt. Die Mutter kümmert sich um das Wohl der ganzen Familie, singt selbst für ihr Leben gern und hat Freude an der Musik; ebenso der Vater, der mit seiner Gitarre die Saitenmusik der 3 Kinder begleitet. Es werden Auftritte und erste ORF-Aufnahmen der Familienmusik Detzlhofer gemeistert, und Musik und Gesang sind Wegbegleiter der Familie. 

Die Volksmusikwoche in Burgkirchen ist ein Fixpunkt in beiden Familien, und sehnsüchtig treffen wir jährlich auch gleichgesinnte Jugendliche zum Musizieren, Singen, Tanzen,….

Auf dieser Woche durften wir einige musikalische und menschliche Vorbilder kennenlernen und verehren, Sternstunden unserer Volksmusik erleben.

Stellvertretend wollen wir hier nennen und Danke sagen bei Andi Salchegger für das gefühlvolle Musizieren und Hinhören und seine unkomplizierte aber klare Lehrweise, Neuper Lois für die vielen Volkslieder und die Vermittlung des Leitsatzes „Frisch außa, wias drin is“ und Volker Derschmidt für die Motivation, unsere vorhandenen Instrumente Geige und Steirische im Zusammenklang kreativ ein zu setzten. Ihm verdanken wir auch wunderbares alt überliefertes Notenmaterial aus der Feldforschung und ein grundlegendes theoretisches Verständnis für unsere alpenländische Volksmusik.

Diese Geschwistermusi (zuerst Gusi-Musi) wird sehr bald schon auf den Namen „Pulverriedl Musi“ getauft, der Insider-Name unseres Mühlviertler Heimat-Hügels.

(Zeitgleich dazu musizieren die „Unterhartberger Musikanten“ aus der VM-Woche im Innviertel: Groß Florian, Christoph Detzlhofer und Martin Kiesenhofer) 

Treffpunkt Wohnzimmer: Zuhause wird es uns immer lustiger, neben Schul- und Lernaufgaben Pausen zu nützen und gemeinsam Stückln einzuüben. Eine Zeit des lustvollen Experimentierens und Zurechtspielens aller möglichen Stücke für unsere Besetzung Geige und Steirische Harmonika folgt. Unsere Quellen sind Tonträger, Musiksender und versch. Notensammlungen nach Belieben und alles, was uns sonst noch irgendwie unterkommt. Nach den eigenen lustig laienhaften Versuchen, unser Spiel auf Kassette festzuhalten, fordern uns die ersten ORF-Aufnahmen im Jahr 1994 weiter heraus. 

Die Bekanntschaft und Liebschaft von Christoph Detzlhofer und Birgit Gusenbauer erweitert die Musi schon 4 Jahre später, und die Gitarrenbegleitung wird ein unverzichtbarer Teil des Klangbildes des Pulverriedl-Musi-Trios.

Durch Christophs Zither- und Reinhards Posaunenspiel ergeben sich immer wieder neue Besetzungskreationen. „Saitig“ wird´s mit Zither und 2 Gitarren, und auch den Blockflöten geben wir ab und zu gern die Gelegenheit, dem diskriminierenden Ruf der „Kinderinstrumente“ zu entkommen.

Musik, Gesang und Tanz erleben wir als unverzichtbare Kombination in unserer Volkskultur. 

Viele Ereignisse und Entwicklungen haben wir in den jetzt über 25 Jahren seit der Musi-Gründung durchlebt. Heirat, Hausbau, Kinder, Berufe, Umbau, Verluste, Gewinne und andere Lebensabschnitte wurden mehr oder weniger regelmäßig von unseren Musizierstunden begleitet. Selten ist es eine Proben-, vielmehr eine Begegnungsatmosphäre zuhause in Hagenberg oder Kimpling/Kallham, im Mühlviertel oder im Landl, und Musik als nonverbale Kommunikationsform lässt sich auch in viele Richtungen empfehlen!

Unser verwandtschaftliches Miteinander beeinflusst uns im spontanen Musizieren, Improvisieren und Aufeinander-Eingehen. All das ist der Einfachheit und Schlichtheit unserer Volksmusik zu verdanken. Die Treffen sind aber immer auch durch kulinarische Gaumenfreuden verschiedener Art bereichert. "...halt Leib und Seel z´samm"

Reinhard, Birgit und Christoph

 


 

TEIL 2)  PULVERRIEDL GEIGENMUSI

Hagenberg/Kimpling 2015: Das 25 Jahr Jubiläum steht ins Haus. Schön, so etwas feiern zu dürfen!

Und mittlerweile hat sich eine Menge verändert und wir haben Zuwachs verschiedener Art und Weise bekommen:

Für Reinhards Liebschaft und Ehe mit Heidi (ehem. Laserer) ist wiederum ein Musikseminar mitverantwortlich. Mit im Gepäck: eine Geige. So gibts am Pulverriedl jetzt auch Geigenmusi im Duett.

Und auch der Nachwuchs im Hause Detzlhofer/ Kimpling hat sich dem Musizieren nicht entziehen können. Xaver freundet sich nach seinen Jahren an der Zither mit der Gitarre an, Vinzenz hat Lust am gemeinsamen Geigenspiel, und im entstandenen Geigen-Trio wird stücklweise in der Stimmführung immer wieder abgewechselt, so dass 1., 2. und 3. Geige jeweils verschieden besetzt ist. Das bringt wieder eine Vielfalt an Stückln und Klängen. Neue Konstellation: Melodie und Begleitgitarre ist somit bereits besetzt, was fehlt da noch für unsere neue "6er-Musi:-)"?

Christoph investiert in den Kontrabass und stellt unser Fundament, Birgits "kleines48" Akkordeon (Ursprungsinstrument aus Kindertagen) wird "erwachsen", bietet rhythmische Nachschlagsrhythmen, erlaubt aber auch immer wieder Melodiespiel und schmückt das Saitenspiel.

Somit ist unsere Begleit-Combo für die Musi geboren: Akkordeon-Begleitgitarre-Kontrabass.

Einem spontanen Erstauftritt beim Advent in Kimpling folgt die Motivation, bei der 25-Jahr Feier der Pulverriedl Musi (2015) bereits mit einem kleinen Repertoire zum Tanz aufspielen zu können. Da gibt´s alle Hände voll zu tun, zu proben und zu arrangieren, zu diskutieren, Kompromisse auszuhandeln, zu kommunizieren und abzusprechen. Zu sechst natürlich eine neue Herausforderung, die uns weiter und neu zusammenschweißt.  Abwechselnd ist es immer, fad wird es nie, im "Wunschradl" (unserer Probenspezialität auch schon als PRM) kann sich abwechselnd jedes Musimitglied "sein (Lieblings-)Stück wünschen. Lediglich die Uhr zwingt uns immer wieder, die Proben musikbeladen auch wieder zu beenden:-)

Bei unseren Treffen sind wir also jetzt alle zu Akteuren geworden und es gibt kaum eine Begegnung ohne Instrumente, sowohl am Pulverriedl, als auch im Kimpling, denn... es gibt immer was zu tun.

...und die kulinarischen Gaumenfreuden als Auftakt oder Pausenfüller oder beides halten weiterhin "Leib und Seel z´samm".

So gibt´s also zur Pulverriedl Musi einigermaßen verjüngt und erweitert jetzt auch die Pulverriedl Geigenmusi.

Wir freuen uns, gemeinsam musizieren zu dürfen!!!

Heidi & Reinhard, Xaver, Vinzenz, Birgit & Christoph

(Text: Birgit Detzlhofer)